Spin Deutschland | 5 VHT im ambulanten Dienst
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Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte – VHT im ambulanten Dienst

Der ambulante Dienst ist das ursprüngliche Anwendungsgebiet des VHTs. In der Arbeit mit Familien kann es als Einzelmaßnahme, als Teilprozess einer SPFH oder integrierter Hilfen und im Clearing eingesetzt werden.

Bei welchen Fragestellungen ist VHT angezeigt?

VHT ist immer dann geeignet, wenn es um die Erziehungs-, Bindungs- und Kommunikationskompetenz von Eltern geht. Eingebrachte Erziehungsprobleme können mit VHT erfolgreich bearbeitet werden. Beziehungsaufbau und das Lenken und Leiten der Kinder in der Familie gelingen eher, wenn Eltern Videosequenzen von gelungenen Situationen sehen und sich an ihnen orientieren.

Gleichzeitig wird das tägliche Familienleben (das Situationsmanagement in der Familie) in den Blick genommen.

Der Entwicklungsstand der Kinder zeigt sich deutlicher sowie die Richtung, in die ihre Weiterentwicklung gefördert werden muss.

Da VHT-Fachkräfte die Basiskommunikation bewusst anwenden und ihnen mit einer wertschätzenden verstehenden Haltung begegnen, haben auch Eltern die Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln.

Ist VHT auch für bildungsferne Familien geeignet?

Insbesondere bildungsferne Familien profitieren von der Arbeit mit den Bildern, da sie ihnen komplexe Zusammenhänge auf einfache Art und Weise verdeutlichen. Auch Familien, die des Deutschen nicht so mächtig sind, können – ggfs. mit Hilfe eines Dolmetschers – über die Bilder besser erreicht werden als über Gespräche.

Kann VHT auch in der Diagnostik eingesetzt werden?

Es bestehen gute Erfahrungen mit VHT im Clearing. Diagnostische Daten sind am Bild in Bezug auf Kommunikationsqualität, die Fähigkeit Kinder zu lenken und zu leiten sowie die  Veränderungsfähigkeit bzw. – bereitschaft der Eltern zu erzielen.

Es empfiehlt sich auch, anderweitig erhobene diagnostische Daten mit dem Blick durch die „VHT-Brille“ zu ergänzen.

Verstellen sich die Familienmitglieder denn nicht, wenn sie gefilmt werden?

Wenn die Eltern sich im Sinne der sozialen Erwünschtheit verhalten (Beobachtungseffekt) und während der Aufnahme ihr Bestes geben, zeigen sie, dass sie das Verhalten in ihrem Repertoire haben.
Dies kann aufgegriffen und im Sinne der Basiskommunikation als förderlich herausgearbeitet werden.
Wesentlich ist, dass sie dabei die positive Wirkung auf die Kinder wahrnehmen und es als eine mögliche Antwort auf ihre Fragestellung sehen können.

Warum wird beim VHT an positiven Videoausschnitten gearbeitet?

Videosequenzen, die gelungene Basiskommunikation und erfolgreiches Situationsmanagement (z.B. Sitzordnung) enthalten, zeigen den Klienten „wie es geht“ und dass sie „es“ bereits können.
Da die Kommunikationselemente in Sekundenbruchteilen auftreten, sind sie auf jeder Aufnahme erkennbar.
VHT-Fachkräfte finden also immer gelungene Momente, die sich für den Aufbau von erfolgreicher Kommunikation nutzen lassen.
Wenn es Probleme gibt, ist die Wahrnehmung fast immer auf die negativen Momente fixiert.
VHT macht die „Ausnahmen“ sichtbar und zeigt, welche Ressourcen bereits vorhanden sind und wie erfolgreiches Verhalten aussieht.
Diesem können die Klienten nacheifern und sich selbst als Modell nehmen.

Kann VHT auch in der Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften eingesetzt werden?

Die Methode VHT ist gut geeignet für eine kind- und familienbezogene Video-Interaktionsanalyse und die Präsentation von Videobildern in der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Ausgehend von der Fragestellung „Was will das Kind – was braucht das Kind?“ bereiten VHT-Guides die Bilder für die interdisziplinäre Arbeit auf. Sie machen Verhaltensmuster und Entwicklungsbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen sicht- und verstehbar.
Gleichzeitig verdeutlichen sie die Ressourcen des Systems und bilden Lösungsansätze ab.

Durch eine gezielte Präsentation von Bildausschnitten in u.a. Hilfeplangesprächen, Team- und Fachkonferenzen sowie in der Schule kann der Ist-Zustand und der Entwicklungsbedarf des Kindes mikroanalytisch erfasst werden.

Sie sind die Grundlage für eine Fein-Abstimmung der Arbeitsweisen der unterschiedlichen Fachkräfte, die mit dem Fall befasst sind.

Alle beteiligten Fachkräfte und die Eltern haben den gleichen Informationsstand, sind in der Lage, identische Ziele zu formulieren und  ihr Vorgehen aufeinander abstimmen.

Wie wird mit dem Datenschutz umgegangen?

Die Videoaufnahmen sind Eigentum der Klienten. Sie werden nur zum Zweck der Beratung eingesetzt und in dieser Zeit sicher aufbewahrt. Am Ende der Beratung wird ihnen das Videomaterial übergeben. Wenn sie nicht alles haben wollen, wird der Rest – auf Wunsch in ihrem Beisein – gelöscht.

Sollen Videoaufnahmen zu Präsentations- und Vortragszwecken genutzt werden, bedarf es des schriftlichen Einverständnisses aller Personen, die darauf abgebildet sind.

Für das Einholen des Einverständnisses zum Filmen sind die jeweiligen Träger der Maßnahme zuständig. Liegt das Einverständnis nicht vor, darf diese Person nicht auf den Aufnahmen erscheinen oder muss unkenntlich gemacht werden.

Wird das VHT im Rahmen eine Maßnahme der Jugendhilfe durchgeführt, ist mit der Zustimmung zum VHT das Einverständnis zu Filmen gegeben.
Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich das Einverständnis noch einmal ausdrücklich schriftlich geben lassen.

Was kostet ein VHT?

VHT wird in Einheiten von Aufnahme und Rückschau berechnet. Hinzu kommen das Erstgespräch und die Abschlusssitzung sowie die Teilnahme an Hilfeplangesprächen.

Im Kontext der Jugendhilfe wird nach Fachleistungsstunden abgerechnet.

Wo finde ich eine VHT-Fachkraft?

SPIN-DGVB e.V. verfügt bundesweit über ca.1000 voll ausgebildete Fachkräfte in sechs Landesverbänden. Sie können über die Landesverbände erfragt werden. Auch der Bundesverband gibt Auskunft unter den Telefonnummern 08062-5275 oder 02228-9124300. Nutzen Sie auch das Kontaktformular.